Kulturbeirat Wiesbaden

Liebe Freunde und Unterstützer,
die Wahl zum Wiesbadener Kulturbeirat ist beendet, die Stimmen sind ausgezählt. Beim ersten Anlauf hat es für mich nicht geklappt. Ich gratuliere allen erfolgreichen Kandidaten zu ihrer Wahl und freue mich auf die Impulse, die dieses neue Gremium in die Kulturpolitik der Stadt Wiesbaden einbringen wird. Vor allem aber bedanke ich mich herzlich bei allen, die mich unterstützt haben und deren Zuspruch ich für meine Kandidatur erhalten habe. In zwei Jahren unterhalten wir uns weiter. Bis dahin werde ich meine Ideen weiter verfolgen und entwickeln, denn kulturelles Engagement ist gremienunabhängig.

Kultur ist Kommunikation.
Sie stiftet Identität und Gemeinschaft. In meinem methodologischen und gestalterischen Ansatz, dem Session Musician’s Approach, begreife ich Kulturarbeit als einen aktiven Ort der Begegnung, der Kommunikation, des gemeinsamen Lernens.
Für den Kulturbeirat Wiesbaden (für Wahlunterlagen bitte anklicken) trete ich für die Wiesbadener Jugendwerkstatt an, wo aus meiner Sicht unser pädagogischer Auftrag der Ausbildung von Jugendlichen aufs engste verschränkt ist mit kultureller Bildung und Teilhabe.
Von Haus aus Kulturwissenschaftler und -pädagoge, Musiker und Toningenieur, bin ich seit vielen Jahren als Kulturschaffender, Kulturforscher und Kulturvermittler international aktiv. Vor vier Jahren habe ich mit dem kulturpädagogisch-anthropologisch orientierten Klangforschungsrojekt „The Sounding Museum“ zur Annäherung einander fremder Kulturen promoviert.
Ich habe zu kulturpädagogischer Vermittlung an der Universität Maastricht, der Kunsthochschule Tilburg, der Hochschule Darmstadt gelehrt und geforscht und der Berufsfachschule der Kerschensteinerschule, in der JVA Wiesbaden und in der Wiesbadener Jugendwerkstatt in der Jugendlichen- und Erwachsenenbildung konzeptionell und praktisch gearbeitet. Für meine Forschung und Umsetzung in der Museumsbildung wurde ich von der UNESCO für meinen Beitrag zur Annäherung der Kulturen ausgezeichnet.
Ich habe akusmatische Kunst ausgestellt, eine Ausstellung des Aktiven Museums Spiegelgasse mitgestaltet und das Zeitzeugentonarchiv digitalisiert und restauriert und in ethnologischen Museen in den Niederlanden, der Schweiz und Kanada gearbeitet, bin Mitorganisator eines Musikfestivals und betreibe ein kabarettistisches Musikprojekt.
In meiner Erfahrung sind wir alle Kulturschaffende, unabhängig von unserer Herkunft, Ausbildung, Stellung, persönlichen Orientierung. Mein primäres Interesse ist es nicht, Opernbesuche für Angehörige „bildungsferner“ Gruppierungen anzubieten. Vielmehr möchte ich das Zusammenkommen von Menschen unserer Stadt befördern, in dem wir alle voneinander und über einander lernen können. Es ist mir eine spannende Herausforderung, Besucher der Maifestspiele ebenso ansprechen zu können, wie Auszubildende an der Wiesbadener Jugendwerkstatt oder die vielen Menschen, die in jüngerer Zeit bei uns Zuflucht finden konnten. Ich glaube, dass es zwischen Kurhaus und Walkmühle, Jawlensky und illegalen Graffittikünstlern, Biebrich und Bierstadt eine große Tonleiter mit vielen lauten und leisen Zwischentönen gibt, die für diese Aufgabe erprobt werden kann.
Ende Januar war ich mit Auszubildenden der Lebensmittelgruppe der Wiesbadener Jugendwerkstatt Teil des Programms des Wiesbadener hr2-hörfests. Wir haben ein Klangstück mit Visualisierungen produziert aus Geräuschen, die bei der Arbeit in der Küche entstehen, mit großem Erfolg beim Publikum. Für die Auszubildenden war dies eine ganz wichtige, persönlichkeitsstärkende Erfahrung, sie waren „content provider“, sie waren auf Augenhöhe mit dem Wiesbadener Kulturbetrieb und konnten sich und ihre Fähigkeiten gemeinsam mit geladenen Referenten aus Kultur und Wissenschaft präsentieren.
Diese Arbeit möchte ich als Mitglied des Kulturbeirats fortsetzen und fördern, denn Kultur ist Kommunikation. Und auf der Basis einer gelungenen Kommunikation wird unser Zusammenleben möglich, reichhaltig und befruchtend. Ich bewege mich in meiner Arbeit fortwährend auf der Schnittstelle zwischen Lehre, Forschung und Kunst. Im Kulturbeirat möchte ich diese Schnittstelle bedienen, kulturelles Erbe einerseits bewahren und andererseits seine Lebendigkeit und Wandlungsfähigkeit, seine fortwährende Bereicherung durch Neues und Unbekanntes, seine transkulturelle Dynamik demonstrieren und nutzbar machen, um es mit den Anforderungen der Gegenwart in Einklang zu bringen.
Erste Ideen für meine Arbeit im Kulturbeirat sind eine Zusammenarbeit des Wiesbadener Stadtmuseums mit Jugendlichen unterschiedlichster Couleur, die ihre eigenen Interpretationen von kulturellem Erbe einbringen können, die Nutzung unserer vielfältigen Städtepartnerschaften für einen Kulturaustausch vor allem unter jungen Menschen, die Verbindung zwischen Handwerk und Kunst. Wie wäre es mit einem im Museum zugänglichen YouTube-Kanal mit jungen WiesbadenerInnen, die dort ihre Lebenswirklichkeit als Teil der Wiesbadener Stadtkultur präsentieren können? Oder einer klangkünstlerischen Bearbeitung des Ausbildungsalltags an der Wiesbadener Jugendwerkstatt? Eine Ausstellung in der Walkmühle mit Werken von jungen Menschen, die ihre künstlerischen Talente durch kulturpädagogische Unterstützung entdecken dürfen? Ein Kunst- und Kulturpark am Hofgut Klarenthal mit angeschlossener Jugendbühne? Überall wo Menschen sind, finden kulturschöpferische Prozesse statt. Wir können sie gemeinsam erleben und gestalten.

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